Jungle

Jungle

Abenteuer / Thriller

USA 2017 E/d 115min

Nach drei Jahren Dienst in der israelischen Armee hat Yossi Ghinsberg (Daniel Radcliffe) zu Beginn der 1980er Jahre keinen Bock, direkt mit dem Studieren anzufangen. Gegen den Willen seines Vaters will er stattdessen ein Jahr lang Abenteuer erleben – erst in der Kälte Alaskas und nach kurzen Stationen in New York und Las Vegas schliesslich in Südamerika. An den üblichen Aussteiger-Anlaufstationen trifft er auf Gleichgesinnte wie den Lehrer Marcus (Joel Jackson) oder den Fotografen Kevin (Alex Russell). Kurz vor dem geplanten Ende seiner Reise wird Yossi auf der Strasse von dem vorgeblichen Geologen Karl Ruprechter (Thomas Kretschmann) angesprochen, der ihm vorschlägt, gemeinsam in den Urwald zu reisen, um dort nach Gold und einem unentdeckten Indiostamm zu suchen. Nachdem Yossi auch noch Marcus und Kevin zum Mitmachen überredet hat, bricht das Quartett unter der Führung von Karl zu der mühsamen Dschungelexpedition auf.

Schon an den ersten Tagen der Reise gibt es erhebliche Probleme – vor allem Marcus kann bald kaum noch laufen, nachdem sich seine blutigen Füsse überall entzündet haben. Nun gibt es solche Momente in so ziemlich jedem Expeditionsfilm – und meist schlägt dann eine von Anfang an als Bösewicht etablierte Figur vor, die vermeintlich Schwächsten auszusortieren, weil sie den Rest der Gruppe nur zurückhielten. In „Jungle“ ist es hingegen der Protagonist und als Sympathieträger in Stellung gebrachte Yossi selbst, der durch seine Lügen und Manipulationen dafür sorgt, dass Marcus den Rückweg antritt, während er selbst auf einem Floss mit Kevin weiterreist. Selbst wenn diese ungeschönt-selbstentlarvende Herangehensweise (der Film basiert schliesslich auf einem Buch von Yossi Ghinsberg) in der zweiten Hälfte der einen oder anderen etwas kitschigen Selbsterkenntnis weicht, verpasst sie den eigentlich hinlänglich bekannten gruppendynamischen Prozessen trotzdem eine frische Note.

Ganz offensichtlich hat Greg McLean etwas gegen Individualtouristen: Nachdem der Regisseur mit seinen zwei knüppelharten „Wolf Creek“-Slashern bereits Campern das australische Outback madig gemacht hat, kommt der südamerikanische Dschungel bei ihm nun auch nicht viel besser weg. Wobei er die saftigen Urwaldkulissen anders als die staubige Outback-Ödnis derart atemberaubend in Szene setzt, dass man fast auf die Idee kommen könnte, der Trip wäre die Strapazen von Yossi und seinen Kameraden wert. Aber eben auch nur fast – denn spätestens nach dem Aufschneiden einer sich bewegenden Beule und dem anschliessenden Herausziehen mehrere blutiger Würmer hat sich dieser Gedanke endgültig erledigt. Erbarmungslose Strömungen, giftige Schlangen, hungrige Jaguars und vor allem Füsse, die nach tagelangem Wandern aussehen wie die Stümpfe eines Zombies in einem Splatterfilm – die Dschungelexpedition ist hier definitiv kein Zuckerschlecken.

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