Evolution

Evolution

Fantasy

Frankreich / Spanien / Belgien 2015 F/d 81min

Irgendwo am Rand der Welt auf einer einsamen Insel: Hier scheinen ihre Bewohner nach ganz eigenwilligen Regeln zu leben. Zwar sehen die Jungs, die da am Strand in den Felsen herumstochern, auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich aus. Ein bisschen wortkarg oder gehemmt wirken sie vielleicht. Doch als der blonde Nicolas beim Schwimmen auf eine Leiche am Meeresgrund stösst, beginnt er Fragen zu stellen und bald drängen sich verstärkt Ungereimtheiten ins Bild: Die Einheitskleidung der unwirklich blassen Mütter zum Beispiel oder der Kontrast zwischen weissen Wohnhütten und den vor Unheil triefenden Wänden eines Krankenhauses, in das Nicolas plötzlich eingeliefert wird ... EVOLUTION ist die Definition von schrecklich schön: Die Kulissen, in denen die Kamera jedes Detail einfängt, sind eindrucksvoll malerisch und machen Regisseurin Lucile Hadžihalilovics schleichenden Body-Horror damit umso grausamer. In ihrem Film wächst das Übel unweigerlich heran: In den Körpern der Kinder, in den Köpfen der Zuschauer. Selbst wenn Nicolas Bilder in ein kleines Heft zeichnet, wird man das Gefühl nicht los, dass auf der Insel im Nirgendwo etwas gewaltig schief läuft. Männer gibt es in dieser Welt übrigens nicht, nur Mütter und Söhne. Mütter, die sich nachts nackt aneinander reiben und Söhne, die ahnen, dass ihr Leben vielleicht schon verloren war, als es begann.

 

Mehr als ein Jahrzehnt ist vergangen, seit Lucile Hadzihalilovic mit ihrem bemerkenswerten Debüt "Innocence", einer beunruhigenden Adaption einer Frank Wedekind Novelle einer Schule für zweideutige Pflege von jungen Damen für Aufsehen sorgte. Anschliessend half sie Partner Gaspar Noé "Enter The Void" schreiben und drehte den Kurzfilm "Nectar", was als eine Art Testlauf für diesen, ihren ersten, Langfilm diente.

 

Jeder Film mit Körper Horror Inhalt wird zwangsläufig mit David Cronenberg verglichen, aber Hadzihalilovic verleiht ihm eine neuen französischen extremistischen Twist. Durch den männlichen Torso und die Suche nach neuen Anwendungen für die Bauch-Taste. Ausserdem spielt sie mit den männlichen Fantasien durch Krankenschwester Roxane Durane, bevor sie einem, mit einer grausamen Sequenz durch Penetration und Schwangerschaft, Phobien aussetzt. Doch in einem Film mit so wenig Dialog (aber vielen klanglichen Unheimlichkeiten), bleibt viel für die Phantasie zu nagen.

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