Der Bunker

Der Bunker

Komödie / Drama

Deutschland 2015 D 88min

Um in völliger Ruhe an einer wichtigen wissenschaftlichen Arbeit zu werkeln, beschliesst ein Student (Pit Bukowski), als Untermieter bei einem sonderbaren Ehepaar (David Scheller und Oona von Maydell) einzuziehen, das mitten in einem abgeschiedenen Wald in einem Bunker wohnt. Auch wenn er in der tristen Behausung auf den in der Ausschreibung versprochenen Seeblick verzichten muss, scheint er zunächst einen geeigneten Ort für seine ungestörten Studien gefunden zu haben. Doch dann bitten ihn seine Vermieter darum, ihrem schon sehr erwachsen aussehenden achtjährigen Sohn Klaus (Daniel Fripan) Nachhilfeunterricht zu geben, um ihm über seine Lernschwäche hinwegzuhelfen und ihn so auf seinen späteren Job als US-Präsident vorzubereiten, den seine Eltern für ihn vorgesehen haben. Während der Student allmählich eine besondere Bindung zu dem Jungen aufbaut, häufen sich die bizarren Vorkommnisse in den fensterlosen vier Wänden des Bunkers.

 

Bukowski verkörpert hier einen namenlosen Studenten, der sich in die Einsamkeit zurückziehen will, um eine bahnbrechende Arbeit über das Higgs-Teilchen zu verfassen. Tatsächlich ist sein Kellerzimmer als Teil eines in einem Wald gelegenen Bunkers denkbar abgeschieden. Nur der versprochene Seeblick fehlt in dem fensterlosen Loch. Dies ist jedoch nur eine erste Merkwürdigkeit in dem absurden Mikrokosmos, in den der Student gerät: Der Hauswirt (David Scheller aus „Im Schatten“) ist ein ausgemachter Spiessbürger, der sich selbst für einen weltläufigen Intellektuellen hält, seine Frau (Oona von Mayxdell)  lässt den bereits sehr erwachsen aussehenden Sohnemann Klaus (Daniel Fripan, „Victoria“) öfter lustvoll an ihrer Brust nuckeln und sucht in schwierigen Situationen Rat bei Heinrich - einer hochentwickelten ausserirdischen Existenz, die sich in Form einer grossen ekligen Wunde in ihrem Unterschenkel materialisiert hat…

 

Der kleine Klaus sagt, er sei acht, sieht aber eher aus wie 30 (so alt ist auch Darsteller Daniel Fripan tatsächlich) und erscheint grenzdebil. Nach dem Willen seiner ehrgeizigen Eltern soll er jedoch einmal Präsident im Weissen Haus werden und so verdonnern sie den studentischen Hausgast dazu, Klaus‘ Hauslehrer zu spielen und ihm Dinge wie die Hauptstädte aller Länder, die Funktionsweise des globalen Finanzwesens und Heideggers Existenzphilosophie einzubläuen. Die Situation ist grotesk und in einem Reigen irrwitziger Szenen, die schreiend komisch sind, aber zugleich oft auch sehr beunruhigend oder gar bedrohlich, wird das Bizarre zum Dauerzustand. Regisseur Nikias Chryssos und seine vier herausragenden Hauptdarsteller erschaffen ein ganz eigenes, beängstigend-lustiges Universum irgendwo zwischen Grimms Märchenwelt und „Twin Peaks“: ein atmosphärisch starkes und anregendes kleines Meisterstück – garniert mit eigenwillig-originellen Details.


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