Kill your Friends

Kill your Friends

Komödie / Thriller

Grossbritannien 2015 E/d 103min

Im Jahr 1997 ist die BritPop-Welle in London auf ihrem Höhepunkt. Bands wie Blur, Oasis und The Verve dominieren die Playlisten und ganz England surft auf der BritPop-Welle. Der junge Musik-Manager Steven Stelfox (Nicholas Hoult) tut alles dafür, um das nächste grosse Talent ausfindig zu machen. Doch der Erfolg folgt keinen berechenbaren Regeln und Karrieren gründen oder scheitern am Wankelmut der Öffentlichkeit. Leidenschaftlich und ambitiös, doch auch vollgepumpt mit Drogen sucht er immer nach den neuesten Hits. Doch als der Wendepunkt des Hypes erreicht ist, versucht er verzweifelt seine Karriere zu retten und nimmt die Redewendung "Ein Mordsding" etwas zu wortwörtlich.

 

Nuttenstaub, Weisser Hai, Raketenpulver, Schnee, Nasenpanade – wenn Steven Stelfox (Nicholas Hoult) nervös wird, zählt er innerlich alle denkbaren Synonyme für Kokain auf. Kein Wunder, denn der A&R-Manager eines Londoner Musiklabels kokst so ziemlich jeden Tag und steigert sich in hedonistische Allmachtsphantasien. Ob er ein eingereichtes Demotape ablehnt oder die jeweilige Band unter Vertrag nimmt – mit seinen Entscheidungen bestimmt er über Musikerschicksale. Liegt er richtig, bekommt auch er einen kräftigen Schub auf der Karriereleiter, wenn er sich irrt, kann es aber auch schnell das Aus bedeuten. Um die harte firmeninterne Konkurrenz auszustechen, spinnt Stelfox miese Intrigen und schreckt sogar vor Mord nicht zurück... Die Satire „Kill Your Friends“ von Owen Harris feierte ihre Weltpremiere als Eröffnungsfilm des Fantasy Filmfest 2015. Mit reichlich Ironie und schwarzem Humor führen der Regisseur und sein Drehbuchautor John Niven, der seinen eigenen Roman adaptierte, die Londoner Musikindustrie des Jahres 1997 als verkommenen Sündenpfuhl vor, in dem einzig der Verkaufserfolg einer Platte von Relevanz ist.

 

Stelfox verbreitet seine Weltsicht in einem unverblümt zynischen Off-Kommentar, teilweise spricht er auch direkt in die Kamera. Seine verzerrte Moral erscheint nicht als persönliches Versagen, sondern sie ist hier wie schon in der Vorlage symptomatisch für die Gier der Unterhaltungsindustrie im Allgemeinen. Schliesslich finden alle Kollegen beim Label, dass der Sinn des Lebens darin besteht, „seine Feinde vor sich her zu treiben und dem Wehklagen ihrer Weiber zu lauschen“. Wie die immer am Rande des Exzess agierende Hauptfigur steht auch der dialogreiche Film selbst ständig unter Strom. Owen Harris setzt auf betont stilisierte Bilder und einen launigen 90er-Jahre-Soundtrack – zu einer der beiden blutigen Gore-Einlagen des Films lässt er „Smack My Bitch Up“ von Prodigy aus den Lautsprechern dröhnen. Nicholas Hoult („Warm Bodies“), zuletzt in „Mad Max: Fury Road“ zu sehen, macht aus dem geltungssüchtigen Manager indes eine ebenso faszinierende wie abscheuliche Figur, während Georgia King („Cockneys Vs. Zombies“) in einer starken Nebenrolle als Stelfox' Assistentin auffällt und Moritz Bleibtreu („Lola rennt“) einen herrlich überzogenen Gastauftritt als zugedröhnter Techno-Freak Rudi beisteuert.

 

Christian Horn filmstarts.de