King of Pigs

Drama / Animation

Südkorea 2011 OV/d 97min

 

 

Kyung-min (Stimme: Oh Jeong-Se) hat seine Frau ermordet, aber er fühlt sich nach seiner Tat kein bisschen besser. Seine Geschäfte laufen schlecht und er kann nicht aufhören, über die Schulzeit nachzudenken. Damals stand er in der Hierarchie ganz unten und wurde drangsaliert – in der Schule hiess es Hunde gegen Schweine. Als "Schweine" wurden diejenigen bezeichnet, die sich nicht durchsetzen konnten. Wer einmal als Schwein gebrandmarkt wurde, der blieb auf immer ein Schwein. Sein alter Freund Jong-Suk (Yang Ik-Joon) trifft sich mit ihm, beide Männer erzählen gegenseitig Lügen über ihre Leben. Beide müssen immer wieder an Chul (Kim Hye-Na) denken, den kleinen gefährlichen Jungen mit dem Kapuzenpullover, der neu an die Schule kam und sich zur Wehr setzte. Für einen Moment wurde er zum "König der Schweine"…

 

Der entsetzliche Anfang sieht bei Sang-ho Yeon so aus: ein Schluchzen, ein Wimmern, solange die Leinwand noch schwarz ist, bald der Blick in leere tote Augen. Die Kamera fährt Gesicht, Hals, Schultern, Körper der toten Frau hinab. Dieses ästhetische Verfahren assoziiert man spontan mit dem Realfilm, das verfrühte Hören und das Durchqueren des Raumes beschreiben eine filmische Realität und eine Handlungsumgebung, die unabhängig von der Kamera existiert und von dieser erkundet wird. Genauso gibt es aber die Überzeichnungen, die überdeutlichen Signale und Metaphern, die kaum einem Realfilm mit minimal realistischem Anspruch verziehen würden – am auffälligsten in den Gesichtern, den zackig ins Raubtierhafte zusammengezerrten Augenbrauen und den gefletschten Zähnen.

 

Japanische Animes haben mit ihren stilistischen Eigenheiten längst auch im Westen viele Fans, koreanische Animationsfilme sind dagegen hierzulande noch deutlich unbekannter. Sang-ho Yeon ist nun ein Pionier in der deutschen Kinolandschaft, denn seinen Erstling „The King of Pigs“ aus dem Jahre 2011 kommt nun in ausgewählte Lichtspielhäuser. Was Sang-ho Yeons zwei bisherige Langfilme – inzwischen hat er den ebenso gewalttätigen „The Fake“ nachgelegt – vor allem auszeichnet, ist die Kompromisslosigkeit, mit der er sich sozialen Hierarchien und ihren fatalen Folgen widmet. Ernste Themen sind im international sehr vielfältigen Animationsfilm längst kein Grund mehr zum Staunen, aber Sang-ho Yeons Filme faszinieren vielmehr dadurch, dass die cartoonhafte Übertreibung immer wieder in dieser Seriosität geerdet wird und umgekehrt die Seriosität mit den emotionalen Vereinfachungen des Genrekinos aufgewühlt wird.

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