A Ghost Story

A Ghost Story

Drama / Fantasy

USA 2017 E/d 92min

Der kürzlich verstorbene C (Casey Affleck) kehrt als Geist zu seiner trauernden Frau M (Rooney Mara) zurück. Er verbleibt in dem gemeinsamen Haus, um sie mit seiner Anwesenheit zu trösten und an ihrem Alltag teilzuhaben, doch stellt schnell fest, dass er in der Zwischenwelt feststeckt. Unfähig, diesen Ort wieder zu verlassen, muss er zusehen, wie seine Frau ihr Leben ohne ihn weiterlebt und ihm immer mehr entgleitet. Doch langsam gelingt es ihm, sich zu lösen, und er begibt sich auf eine kosmische Reise, auf der er sich mit den Rätseln des Lebens auseinandersetzen muss, um Frieden zu finden und herauszufinden, was es bedeutet, nach dem Tod zu einer Erinnerung zu werden und ein andauerndes Vermächtnis zu hinterlassen.

Die Gespenster im Fantasy-Drama „A Ghost Story“ sind keine computeranimierten Spukgestalten, wie man sie aus dem modernen Horrorkino gewohnt ist. Stattdessen besinnt sich David Lowery auf die unschuldige Vorstellung vergangener Kindertage: Bettlaken überschmeissen, zwei Löcher für die Augen reinschneiden, fertig. Es geht dem „Saints - Sie kannten kein Gesetz“-Regisseur schliesslich auch gar nicht darum, irgendjemanden zu erschrecken – statt eines plötzlichen Jump Scares ist es hier die schiere Tragik der Situation, die den Zuschauer bis ins Mark erschüttert: Wenn ein Gespenst an einen Ort gebunden ist, dann mögen die Bewohner ab und an mit einer unerklärlicherweise heruntergefallenen Kaffeetasse klarkommen müssen. Aber die Vorstellung, wie ein Gespenst jahrein, jahraus ohne echte Ausdrucksmöglichkeit in der Ecke herumzustehen, ist doch viel grauenerregender. „A Ghost Story“ ist ein extrem reduzierter, extrem verdichteter Film, hinter dessen vermeintlicher Einfachheit sich eine todtraurige, unendlich melancholische Weisheit verbirgt.

Mit seinem quadratischen 1-zu-1-Filmformat mit abgerundeten Kanten erinnert „A Ghost Story“ in gewisser Weise an Diabilder, wobei der enge Bildausschnitt nur noch das beklemmende Gefühl unterstreicht, für die Ewigkeit an einen einzigen Ort gebunden zu sein. M und besonders C werden bewusst kaum charakterisiert (obwohl Rooney Mara und Casey Affleck in einer mehrminütigen Sequenz so glaubhaft miteinander kuscheln, wie wir es nur ganz selten auf der Leinwand gesehen haben). So bleibt C ein weisses Blatt beziehungsweise Betttuch, in dessen ausdruckslose schwarze Augen der Zuschauer zwangsläufig all die Tragik hineininterpretiert, die er sich nur vorstellen kann. Einmal erspäht C im Haus nebenan ein anderes Gespenst mit Blümchenbettlaken (Gespenster kommunizieren in „A Ghost Story“ per Untertitel). Es erzählt, dass es auf jemanden warte, allerdings schon lange vergessen habe auf wen. In diesem Moment möchte man auch als Zuschauer einfach nur noch vor Traurigkeit zerfliessen. Gleichzeitig ist so ein ständig in der Ecke stehendes Gespenst von Natur aus auch ein wenig absurd: Obwohl es Lowery nicht gezielt auf Lacher anlegt, sind die trockenhumorigen Augenblicke höchstwillkommen und bitter nötig, um die Tragik des Films überhaupt aushalten zu können.

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